Die neue Telenovela – ich war dabei
Lange vor Sendestart haben die beteiligten Produktionsfirmen Werbung für eine neue Telenovela geschaltet: "Anna und die Liebe". Auf allen Fernsehsendern, die zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehören, liefen zu allen möglichen Tageszeiten Ankündigungen. In allen möglichen Zeitungen wurden Berichte veröffentlicht. Auch online kam man kaum an der Werbung für diese Sendung vorbei, auch wenn man alle möglichen Werbeblocker aktiviert hatte.Obgleich ich ein Mann bin, interessiere ich mich auch für Dinge, für die eigentlich Frauen die Zielgruppe sind. Ich zappe hin und wieder mal in die aktuell laufenden Telenovelas und rosaroten Soaps hinein. Letztendlich hat die Werbung für die neue Telenovela auf Sat.1 auch mich erreicht und sich tief in mein Hirn eingebrannt. Ich bin ein recht starker Mensch; meine Kaufentscheidungen lasse ich mir durch Werbung nur sehr selten aufdrängen. Ich weiß nicht, vielleicht lag es einfach an der vielen Werbung in den Massenmedien und im Internet, oder es lag vielleicht nur an der überaus hübschen und talentierten Schauspielerin und Hauptdarstellerin Jeanette Biedermann. Es wird wohl eher Ersteres gewesen sein, aber ich habe die erste Folge am 25.08.2008 auf Sat.1 angeschaut. Seitdem habe ich fast jede weitere Folge gesehen.
Hintergrund:
Wer sich den Abspann der Sendung mal anschaut, der wird einige interessante Dinge gelesen haben. Wer dann noch den einen oder anderen Verantwortlichen von anderen Produktionen kennt, wird feststellen: alles keine Unbekannten. Dann ist auch der ORF (Österreichischer Rundfunk) als Kooperationspartner mit im Boot.
Zielgruppe:
Jede Sendung hat immer eine bestimmte Zielgruppe, für die man eine interessante Geschichte erzählen muss und an der auch Werbetreibende Interesse haben. Die für alle Beteiligten wohl interessanteste Zielgruppe sind die Mädchen bzw. Frauen im Alter zwischen 14 und 49 Jahre. Diese Zielgruppe scheint überwiegend aus schüchternen, hässlichen und in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen weiblichen Wesen zu bestehen, wenn man sich die Werbung für sie ansieht. Diese Zielgruppe benötigt eine Leitfigur, mit der sich das einzelne weibliche Wesen identifizieren kann, um sich ihr im Laufe der Zeit anzuverwandeln. Auch ist die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen immer mit Liebesgeschichten bzw. Herzschmerzgeschichten zu begeistern. Da braucht man sich nur die Einschaltquote des jüngst auf Sat.1 gezeigten Films "Dirty Dancing" (Schmutztanz) zu Gemüte führen. Der Film ist aus dem Jahr 1987, jede(r) hat ihn bestimmt schon mehrfach gesehen, dennoch wird er immer wieder angeschaut. Solche Geschichten lassen sich, in die Form von Telenovelas gegossen, relativ kostengünstig produzieren. Man kann auf aufwendige Tricktechnik und Bauten verzichten.
Handlung:
Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt. Es geht um ein kleines und sehr schüchternes Mädchen: Anna alias Jeanette Biedermann. Dieses Mädchen möchte gern als Texterin in der Werbeagentur "Broda & Broda" arbeiten. Da die anfänglichen Bewerbungsversuche scheitern, hilft sie im Restaurant "Goldelse" ihrer Mutter aus. In diesem Restaurant trifft sie zum ersten Mal auf den gerade aus den USA zurückgekommenen Jonas Broda. Leider bringt sie bei diesem ersten Aufeinandertreffen kein Wort heraus. Aber sie verliebt sich in diesen jungen, erfolgreichen und schönen Jonas. Annas Mutter unterstützt sie nicht so recht bei ihrem Traum vom Texten bei "Broda & Broda". Sie möchte lieber, dass ihre Tochter in einem Schreibwarengeschäft arbeitet. Annas Stiefvater mag sie nicht sonderlich, bei ihrer Halbschwester Katja schaut es nicht viel anders aus. Als Anna einen kleinen Fehler macht, schafft es Katja, sich einen Job in der Agentur zu erschleichen – und kommt dabei auch Annas Schwarm Jonas näher. Dann zieht Anna nach und beginnt ebenfalls, für Jonas zu arbeiten.
Und die Geschichte nimmt ihren Lauf …
Anmerkung:
Es ist schön zu sehen, dass man auch ein Herz für gescheiterte bzw. ruhende Karrieren hat. So kann man Auftritte von Alexander Klaws als Freund der Stiefschwester von Anna bewundern. Mal sehen, wer da noch einen Auftritt bei "Anna und die Liebe" bekommt.
Auch ist man dem erfolgreichen Konzept der Selbstgespräche und der Tagträume der Hauptdarstellerin treu geblieben, diese bereichern die Geschichte überaus.
Abschluss:
Wenn die Einschaltquoten den Sendern zusagen, wird die Telenovela wohl einige Monate, vielleicht auch Jahre laufen. Mich würde es freuen, denn entgegen meiner Erwartung bin ich begeistert. Ich werde mir jetzt noch ein paar Folgen anschauen, vielleicht schaue ich mir auch alle Folgen "bis zum bitteren Ende" an – geheiratet wird ja immer zum Schluss. Natürlich vorausgesetzt, die Produzenten halten die derzeitig recht hohe Qualität und lassen die Telenovela nicht zur Kleine-Mädchen-Sendung verkommen.
Urheber: Marek Stapff