Robbenschlachten beginnt jetzt – ich bin dabei
Am Anfang jedes Jahres ziehen Pelztierjäger los, um in Kanada und anderen Ländern Robbenbabys zu keulen. In diesem Jahr werde ich meinen Jahresurlaub opfern und mich diesen fiesen Typen anschließen.Die richtige Reisebetreuung:
Die Gruppe besteht aus neun erfahrenen Kerlen und einem Neuling – das bin ich. Da mein Ruf als guter und erfahrener Koch mir in aller Welt vorauseilt, war meine Funktion auf dieser Reise sofort klar. Mich kann man nicht mit einem dieser Köche aus dem Fernsehen vergleichen, die Rezepte von Mutti oder nach einem Kochbuch nachkochen. Ich sehe mich mehr als Experimentator, der neue Möglichkeiten und Geschmacksrichtungen erforscht. Meine Kochkunst kann zum Beispiel unter kochen-nach-zahlen.de (externes Angebot) ("Grillen mit Holzkohle aus dem Erzgebirge", "Spiegelei. Das Original", "Hamsterfilet an Bratkartoffeln und Tomate", "Handwerkers Lunchpaket", ...) bewundert werden. Ich habe mich auch gleich über die regionale Küche informiert – damit es nicht nur Schnitzel mit Kartoffeln und Bier gibt. Es wird leckeren Fisch oder zartes Fleisch von Robbenbabys geben, garniert mit Seetang oder Seealgen.
Die Arbeit:
Natürlich kann man sich nicht einfach so einer solchen Gruppe anschließen. Man muss schon was können und keine Skrupel beim Robbenabschlachten haben. Man muss sich an die Robbe vorsichtig anschleichen. Dann muss man sie mit einem gekonnten Schlag auf den Kopf betäuben; der Schlag muss ordentlich sitzen: So eine Babyrobbe mit einer Länge von 50 cm und einem Gewicht von 12 kg kann verdammt böse und somit gefährlich werden – ehe man sich versieht, hat sie einem den Hals durchgebissen. Auch darf man das schöne weiße Fell der Babyrobbe nicht beschädigen – ehe man sich versieht, hat der Reiseleiter einem den Hals durchgebissen. Das Fell muss man der Babyrobbe fachmännisch und ohne Beschädigungen abziehen. Das klingt aber schwerer als es ist, das Baby gibt seinen Pelz fast von selbst heraus. Der Müll, also das nackte Baby, wird an Ort und Stelle entsorgt und damit wieder der Nahrungskette zugeführt. Da ich schon bei einigen Hasenschlachtungen zugegen war und sich so ein Hase nicht großartig von einer Robbe unterscheidet, habe ich die nötigen Erfahrungen und Fähigkeiten für diese Naturschutzarbeit.
Die Robbe ist ein Schädling:
Die Robbe ist ein großer Schädling. Sie ist dafür verantwortlich, dass der Fischbestand in den Weltmeeren stetig sinkt. Die Fischer haben immer kleinere Fänge in ihren riesengroßen Schleppnetzen. Und auch die Erwärmung der Meere durch den segensreichen Klimawandel hat die Fische noch nicht zu Orgien verleitet. Somit hat die fischverarbeitende Industrie immer weniger Rohstoffe für ihre leckeren Produkte. Dadurch gefährden die Robben Tausende, wenn nicht Millionen von Arbeitsplätzen an den Fließbändern der Welt. Rettet die Fischstäbchen, keult Robben!
Kein Lebensraum mehr für die Robbe:
Der Lebensraum der Robbe wird wegen der Erderwärmung immer kleiner. Das Eis, auf dem das Raubtier sich suhlt, schmilzt. Da die Robbe nicht einfach auswandern kann, muss sie auf humane Weise vor dem Ertrinken gerettet werden.
Da ich meinen Mitmenschen und auch den Tieren helfen möchte, fahre ich nach Kanada. Leider stoße ich mit meiner Entscheidung bei vielen Menschen auf Unverständnis und auch auf Hass.
Ich will doch nur helfen!
Urheber: Marek Stapff