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"Mein Besuch bei Dr. House in Bad Hersfeld"

Freitagabend holte ich meinen Fernseher aus der Werkstatt in Bad Hersfeld und brachte ihn in meine Wohnung nach Raboldshausen, um ihn im Wohnzimmer auf den angestammten Platz zu stellen. Ich besitze keineswegs so ein neues, flaches und leichtes und HD-Ready TFT-/LCD- oder Plasma-Teil. Nein, mein Fernseher ist ein großes, tiefes und schweres und HD-Non-Ready Gerät mit Braunscher Röhre und dem gefühlten Gewicht eines BMW inklusive liebreizender Fahrerin. Und so kam, was wohl kommen musste, wenn man so einen BMW, äh, Fernseher durch das Wohnzimmer bugsiert. Aufgrund der Erdanziehung, der Größe des Gerätes und des Gewichtes sowie meiner zwei linken Hände fiel mir das Gerät aus circa 15 cm Höhe auf den großen Zeh des rechten Fußes. Ein kurzes, schwaches Schmerzsignal wurde über mein zentrales Nervensystem im Moment des Auftreffens des Gerätes auf meinen Zeh an mein Hirn geleitet. Beim Herunternehmen des Gerätes vom großen Zeh war das Signal wieder verschwunden. Ich stellte den Fernseher auf seinen Platz und schloss es an den SAT-Receiver an. Da merkte ich eine wohlige Wärme, die ausgehend von meinem rechten Fuß langsam mein Bein hinaufzog. Ich schaute nach unten und sah, wie sich meine Socke langsam von weiß auf rot verfärbte. Ich fix ins Bad, um nachzuschauen. Socke runter und das Blut abgewaschen. Da kam in mir eine Frage auf: "Muss an der Stelle nicht ein Nagel sein? Heute Morgen war da jedenfalls noch einer." Ich schaute in der Socke nach, und siehe: Da war er. Ich alles wieder zusammengebaut, verbunden und ins Auto gehumpelt. Vom Navigationsgerät ins nächstgelegene Krankenhaus leiten lassen – Klinikum Bad Hersfeld GmbH.

Auf dem Weg dahin geisterten mir einige Gedanken durch den Kopf: "Hätte ich erstmal einen Preisvergleich machen sollen?" – "Erfahrungsberichte?" – "Hat überhaupt ein Arzt Notdienst, oder macht das ab 19 Uhr ein Metzger oder der Hausmeister." – "Werde ich mein Bein behalten können?" – "Werde ich je wieder richtig laufen können?" Die Ausschilderung der Rettungsstelle für die Laufkundschaft war nicht sonderlich hilfreich, aber ich habe sie dennoch gefunden. Ein netter Zivi nahm meine persönlichen Daten und die Daten des Unfalles und des Unfallgegners auf. Unfallgegner? Ich sagte: mein Fernseher. Dann musste ich circa zehn Minuten auf meinen Arzt warten. Der hat mit mir nur ein kurzes Interview geführt und mich zur Radiologie zum Röntgen geschickt. Da habe ich circa fünf Minuten gewartet, bis eine recht hübsche Dame zwei Röntgenbilder von meinem Fuß machte. Dann ging es in den Untersuchungsraum 2 zu meinem betreuenden Arzt. Der verwies mich zum Relaxen auf die große Relax-Liege. Der Arzt und eine Krankenschwester schauten sich meinen Zeh und den von mir mitgebrachten Zehennagel an. Da ich noch mit meinem Auto nach Hause fahren wollte, betäubte der Arzt meinen Fuß nur leicht. Dann begann er, den Zehennagel an seinem angestammten Platz zu positionieren. Als er fertig war, drehte er sich zu mir um und fragte: "Ist mit Ihnen alles in Ordnung?" – Ich: "Alles in Ordnung, warum?" Er meinte da nur noch: "Sie sind ja schmerzunempfindlich!" Ein Ossi kennt keinen Schmerz – oder waren es die Indianer? Dann kam ein wahrscheinlich angehender Arzt herein – rein optisch war seine ethnische Abstammung dem afrikanischen Kontinent zuzuordnen. Gleich kam mir der Gedanke: "Jetzt noch ein älterer Herr im weißen Kittel mit einem Namensschild an der Brust wie "Dr. Gregory House" und mir kann überhaupt nichts mehr passieren. Der mich betreuende Arzt nähte mir dann noch den Zehennagel am großen Zeh an. Danach verband mir die Krankenschwester meinen großen Zeh und gab mir zur Belohnung meines Mutes und weil ich so tapfer war eine Spritze gegen Wundstarrkrampf.

Der Arzt füllte den Notfall- bzw. Vertretungsschein mit seiner Diagnose aus: "Traumatische komplette Nageldislokation am rechten Großzeh. Reposition und Fixation in L. A.". Dann ging ich humpelnd mit einem Schuh am Fuß und dem anderen in der Hand zu meinem Auto und fuhr in den Sonnenuntergang nach Hause.

Wenn mit dem Zeh wieder alles in Ordnung ist, werde ich wohl als Fußmodell eine neue Kariere starten.

Von originalen Bildern des beschädigten Zehs sehe ich aus ästhetischen und humanistischen Gründen an dieser Stelle ab. Stattdessen stelle ich eine blutfreie Grafik bereit.

Dr. Maff
Fortsetzung:
Da ich mich erst vor wenigen Monaten in Neuenstein niedergelassen habe, musste ich mir für die Nachuntersuchungen einen Hausarzt suchen. Die 400 km zu meinen alten Hausarzt wollte ich nun nicht für jede Untersuchung fahren. In der circa 20 km entfernten Stadt Bad Hersfeld fand ich meinen potenziellen neuen Hausarzt. Sein Name ist Dr. med. W. Brüning, und er hat seine Praxis auf der Simon-Haune-Straße im Stadtzentrum. Als ich in das Behandlungszimmer kam, wartete er schon auf mich. Es war ein älterer Herr mit grauem Haar – allein durch seine Erscheinung gewann er schon mein vollstes Vertrauen. Er begutachtete fachmännisch meinen großen Zeh. Von der Repositionierung und der Befestigung des Nagels war er nicht sonderlich begeistert. Er will den Zehen-Nagel vielleicht in paar Wochen entfernen. Im Gespräch beantwortete er mir immer alle Fragen recht ausführlich.

Einige Ergebnisse brachte die Untersuchung schon:
  1. Das Bein muss nicht abgenommen werden.
  2. Ich werde wieder richtig laufen können.
  3. Eine nachträgliche teure Schönheitsoperation wird nicht nötig sein.
Da steht meiner Karriere als Fußmodell wohl nichts mehr im Wege. In den nächsten Wochen werde ich immer mal wieder bei ihm reinschauen.

Update: 03.02.2008 ~ Marek

Dr. Maff
Dr. Maff

Fortsetzung:
Am Ende des letzten Jahres (2007) musste ich mich bzw. musste sich mein Fußzehe einer schweren, stundenlangen und blutigen Operation unterziehen. Da sich der Nagel des Zehs vollkommen des Anwachsens widersetzt hat, auch die anfängliche Intervention des Doktors nicht half, musste der Nagel endgültig raus. Dr. med. W. Brüning hat ihn in einer präzisen und zielgerichteten Operation entfernt. Sie verlief ohne Schmerzen und ohne Komplikationen. Hinterher hatte ich beim Abrollen des Fußes kleinere Probleme, ich hinkte. Jetzt, nach fast zwei Monaten, wächst ein neuer Nagel. Er ist schon circa 1 cm lang. Die Verformungen des Zehs durch die Beschädigungen und den danach fehlenden Nagel gehen langsam zurück. Rein optisch könnte das Heilungsergebnis sich kaum vom vorgehenden Zustand unterscheiden. Mal abwarten, die Zukunft wird das zeigen.

Veröffentlicht: 25.11.2007 ~ Marek
Ort des Geschehens: Raboldshausen (Neuenstein)
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