MareksBlog!...heute schon gelesen?
"Bin ich ein böser Webmaster?"
"Ich kenne dich, ich weiß was du machst", sagte der Typ, der sich mir breitbeinig in den Weg gestellt hatte. Sein Tonfall und sein grimmiger Blick ließen nichts Gutes ahnen.Dennoch ließ ich mir meine Überraschung nicht anmerken und erwiderte leichthin: "Was mach ich denn?"
Er: "Na was du im Internet machst."
Ich: "Sie meinen E-Mails checken und Spiegel online lesen, oder was?"
Er (deutlich lauter): "Nein, deine Seiten da im Internet, den ganzen Kram!"
Ich: "Da kann ich Sie beruhigen, alles, was ich mache, ist legal."
Er (schnaufend): "Du wirst schon sehen, was du davon hast."
Und dann war der Typ weg.
Ja, was mache ich eigentlich? Ich bin Webmaster. Nicht mehr, nicht weniger. Ich stelle weder die Terrordrohungen irgendwelcher Islamisten ins Netz noch verkaufe ich online alte Fahrräder als Cabriolets. Ich betreibe Internetseiten über die Region, aus der ich stamme, und über die, in der ich heute lebe. Außerdem verdiene ich ein bisschen Geld mit Erotikseiten, Funseiten und Informationsseiten, alles medienrechtlich ohne Fehl und Tadel. Vielleicht meinte der Typ das mit "Kram".
Wenn ich mir die Foren durchlese, in denen wir Webmaster uns austauschen, kann ich mich eines bestimmten Eindrucks kaum erwehren: Für manche Leute sind wir Webmaster ein Feindbild. Wieso? Keine Ahnung. Jedenfalls beklagen sich viele Kollegen darüber, oft Drohungen zu erhalten, wenn auch meistens per E-Mail statt wie ich mitten in der Fußgängerzone.
Früher hätte mich das dreiste Verhalten dieses Typen aufgeregt. Ich wäre vielleicht laut geworden und später hätte ich mich ein bisschen gefürchtet. Heute interessiert mich so etwas überhaupt nicht mehr. Wer sich im Internet betätigt, kriegt es mit vielen verschiedenen Gewalten zu tun, da ist man schnell abgehärtet. Man erhält aus heiterem Himmel Post von Anwälten, von der Staatsanwaltschaft, von Behörden. Meistens geht es um Geld. Meistens geht es gut aus. Was kümmern mich da solche Typen, die mir ans Bein pinkeln wollen?
Manchmal denke ich, vielleicht sind solche Leute nur neidisch. Es gibt ja diese Legende, nach der sich mit einer gut laufenden Internetseite ganz nebenbei richtig Geld scheffeln lasse. Das ist zwar in allen Fällen, die ich kenne, Blödsinn. Aber wer es nie probiert hat, ein Geschäft im Internet aufzumachen, weiß das nicht unbedingt. Da glaubt man womöglich, ein Webmaster programmiert ein paar Stunden an einem Webshop herum, stellt ihn ins Netz und dann klingelt die Kasse, ohne dass er sich viel drum kümmern muss.
Leider sieht der Alltag von Webmastern anders aus. Wir können an den wenigsten Tagen nach acht Stunden sagen: "Ich lass den Hammer fallen." Freie Wochenenden erkämpfen wir uns mit Überstunden in den Nächten. Und Urlaub ist ein Geschäftsrisiko. Als Webmaster wird man ständig von anderen Menschen gefragt: "Wie geht dies, wie geht das?" und "Kannst du mal schnell gucken, wieso das nicht läuft?" Dass wir Spezialisten sind, die durch ihr Know-how Werte schaffen, sehen viele Leute trotzdem nicht.
Ich habe einen Traum: Ich sitze im Büro und tüftele an einem Problem. Da kommt meine Frau mit meinen drei Kindern und bringt mir ein Glas kalter Milch. Ich trinke genüsslich die Milch und freue mich über das, was ich erreicht habe. Das ist ein ganz einfacher Traum, aber schön. Bis jetzt habe ich leider nur das Büro und die Milch. Die Frau und die Kinder gibt es noch nicht. Aber ich stelle sie mir schon einmal vor. Dann muss ich nicht an Typen denken, die mich in Fußgängerzone beschimpfen.
Ich kann nur allen Kollegen raten, es genauso zu machen. Stellt Euch einfach vor, was Ihr geschafft habt. Die Neidhammelherde zieht weiter.